„La Onda“ Magdeburg: Neonazis willkommen

Am 15. März fand in der Hermann-Gieseler-Sporthalle in Magdeburg eine MMA-Kampfsportveranstaltung (Mixed Martial Arts) statt. Die Fightnight wurde unter dem Motto „MMA Gladiators“ vom „La Onda Fightclub“ organisiert.
Cheftrainer von „La Onda“ ist mit Sascha Poppendieck ein sowohl im Ring als auch in Nachtklubs aktiver Kampfsportler. Das zweite Betätigungsfeld brachte ihm bisher 15 Strafverfahren ein, davon sieben wegen schwerer Körperverletzung.
Seit 2014 hat der „La Onda Fightclub“ im „LuckyFitness Sportcenter“ eine neue Trainingsräumlichkeit gefunden. Mit modernen Trainingsgeräten, inklusive großer Mattenfläche und einem Käfig sowie einer separaten Crossfit-Fläche versucht Poppendieck den Kampfsport weiter populär zu machen.
In diesem Kontext bietet „La Onda“ neben den normalen Kursen für Erwachsene zum einen spezielle Kinder-Kurs an, zum anderen organsiert Poppendieck Kampfsportseminare für Schulklassen.

Nazi-Hooligan als Trainer

Seit dem 27. Oktober 2014 ist mit Benjamin Brinsa der bekannteste deutsche Nazi-Kampfsportler Trainer bei „La Onda“ und hat dort die MMA-Abteilung übernommen. Der aus Leipzig stammende Brinsa ist seit fast 10 Jahren in der Naziszene aktiv.
Aufgrund seiner rechtsradikalen Verstrickungen wurde er 2013 direkt nach Vertragsunterzeichnung von der UFC wieder gekündigt. Obwohl Brinsa nie einen Kampf für die „Ultimate Fighting Championship“ bestritt, bezeichnet er sich selbst als „ehemaligen UFC-Kämpfer“.
Trotz damaliger und aktueller Behauptungen, dass er kein Nazi sei und lediglich als Jugendlicher falsche Freunde hatte, ist er immer noch im neonazistisch geprägten Umfeld der Hooligangruppe „Scenario Lok Leipzig“ aktiv. Außerdem ist Brinsa mit seinem Laden „Streetwar“ Teil eines Netzes von umtriebigen Neonazis um das rechte Musiklabel „Front Records“ und verschiedene Bekleidungsmarken.

Links: Brinsa hinter „Ultras Lok Nationaler Widerstand“-Transparent; Rechts Brinsa mit Irriducibili-Shirt
Links: Benjamin Brinsa (Pfeil) und weitere „Scenario Lok“-Mitglieder hinter einem Transparent „Ultras Lok – Nationaler Widerstand“ am 1. August 2008 (Foto: HosenRunter, dort auch weitere Details). Rechts: Brinsa in einem T-Shirt der faschistischen Lazio-Rom-Fangruppierung „Irriducibili Lazio“, aufgenommen ungefähr 2014.

Russische Neonazis kämpfen bei Fight Night

Bei der Fight Night am 15. März kämpften mit Sergej Romanov1 und Mikhail Korobkov2 auch zwei russische Neonazis. Der Kontakt kam offensichtlich über Benjamin Brinsa zustande, der im Januar 2014 bei einer Kampfsportveranstaltung unter dem Titel „Coliseum FC – New History 2“ in St. Petersburg neben Romanov und Korobkov antrat.

Foto Brinsa, Reiche, Romanov
Von links: Benjamin Brinsa, Tom Reiche und Sergej Romanov in St. Petersburg

Sergej Romanov vom Team „Sech“3 stammt aus St. Petersburg und kämpfte bisher zweimal in der rechtsradikalen MMA-Serie von „White Rex“. („White Rex – The Birth of a Nation“und „White Rex – Warriors Spirit 33“).


Mikhail Korobkov (rechts) nach einem Kampf4

Eine ähnliche Vita hat Mikhail Korobkov aus Rjasan zu verzeichnen. Der beim rechten Team „ARTA MMA“5 trainierende Russe kämpfte 2012 ebenfalls bei einer „White Rex“-Veranstaltung („White Rex“-Turnier „Geist des Kriegers 11“). Kämpfer und Kampfschulen schmücken sich, wie für russische Neonazis üblich, mit Symbolen aus der slawischen Mythologie. So trägt Mikhail Korobkov beispielsweise eine Perunsaxt (dem slawischen Pendant zum Thorshammer) um den Hals und hat auf dem rechten Oberschenkel das Logo der Neonazi-Organisation „Soprotivlenie“ (Widerstand) tätowiert. „Arta“ sowie „Sech“ verwenden Motive von slawischen Rittern, beliebt sind neben „White Rex“ unter anderem Klamotten der rechten Marken „Rusitsch“6 und „Varggrad“.


Sergej Romanov nach Kampf bei „White Rex“-Veranstaltung

„White Rex“ entstand 2008 in Russland als Mode-Marke, erlangte die über Russland hinausreichende Bekanntheit aber vor allem durch das Veranstalten von Rechtsrock- und Kampfsportevents. „White Rex“ ist dem Selbstverständnis zufolge die Marke für „die weißen Völker Europas“. Gewaltästhetik, Rassismus, rechtsextreme Symbolik und Wikinger-Kitsch sind dabei die zentralen Elemente.
Das Unternehmen versucht aber auch in Europa Fuß zu fassen. Beispielsweise im Mai 2013 organisierte „White Rex“ in Zusammenarbeit mit der faschistischen „Casa-Pound“-Bewegung ein „Nationales Kampfsportturnier“ in Rom.


Bild: Links: Logo von „Sech“; Rechts: T-Shirt des „Arta“-Teams mit der Aufschrift: „Macht der Ahnen in unserem Blut“

Die Reise von Romanov und Korobkov nach Deutschland wurde als Anlass genommen, ein neues Team mit den Namen „SechPro“ zu gründen. Laut eigenen Angaben sollen so Kämpfe russischer Sportler im Ausland gefördert und vorhandene Kontakte genutzt werden. Auf dem Plan stand auch ein Training im „Planet Eater Gym“ von Peter Sobotta, der bei der UFC unter Vertrag steht und mit Benjamin Brinsa befreundet ist. Am 4. April, drei Wochen nach „MMA Gladiators“ traten Romanov und Korobkov schließlich bei Brinsas Kampfsportveranstaltung mit dem Titel „Imperium FC II“ in Leipzig an. Die Fightnight fand in abgespeckter Form in einer kleineren Veranstaltungshalle statt, weil die Uni Leipzig den Mietvertrag wegen der neonazistischen Umtriebe Brinsas gekündigt hatte.


Von links: Artem Kazbanov (Kopf von „Arta“), Romanov, Korobkov nach „Imperium FC II“ in Leipzig

1 Сергей Романов
2 Михаил Коробков
3 „сечь“ dt. „prügeln“
4 Links unten das Logo mit Tyr-Rune der Kampfsportschule „Ritter“ (auch „Held“) aus Noginsk (im Original: „центр боев искусств Витязь“); Auf Korobkovs linkem Oberarm steht „Не окончен вечный бой. Русский дух всегда живой.”, was ungefähr bedeutet: „Der ewige Kampf ist noch nicht vorbei. Der Russische Geist ist immer lebendig.”
5 „Арта“ dt. „die Kunst“
6 „Русич“, siehe auch: „Sauerland-Boxer als Werbeträger für russische Neonazis“